Foto: Marlis Steinmetz/von links nach rechts: Friederike I, Mariett I, Mirabell I. und Dorothea I.

Grußwort der Weinkönigin Mariett I.

Liebe Weinfreunde,

wenn es einen Weinspruch gibt, den ich ihnen nahelegen möchte, dann ist es „Wein erfreut des Menschen Herzen“. Es ist tatsächlich wahr, denn können Sie sich Folgendes vorstellen: Ein Essen ohne Salz, eine Feier ohne Musik oder ein Fluss ohne Fische? Vermutlich nicht, denn diese Dinge gehören einfach zusammen. So stellt sich für mich und uns Rüdesheimer auch die Frage: Was wäre ein Leben ohne Wein? Tatsächlich ist der Wein aus Rüdesheim nicht wegzudenken, angefangen bei den Weinbergen, welche die ganze Stadt umranden, über die zahlreichen einheimischen Weingüter, deren Traktoren oft auf den Straßen zu sehen und hören sind, bis hin zu dem Glas Wein, das man mal mit Freunden nach Feierabend oder in einer der Rüdesheimer Straußwirtschaften genießen kann.

Als Rüdesheimer Weinkönigin ist es somit meine Aufgabe, und die meiner drei Prinzessinnen Friederike, Dorothea und Mirabell, Rüdesheim, seine Weine und Winzer sowie seine Lebenskultur, im ganzen Rheingau und auch darüber hinaus zu vertreten. Also möchte ich Sie dazu einladen, Rüdesheim und seine Angebote zu entdecken, vielleicht einmal einen kleinen Spaziergang durch unsere Weinberge zu machen und dabei ein (oder auch zwei oder drei ...) Gläschen Wein zu trinken.

In diesem Sinne sehr zum Wohl!

Ihre Rüdesheimer Weinkönigin Mariett I. mit den Prinzessinnen Friederike I., Dorothea I. und Mirabell I.

Abdruck der Texte "Weinbau" und "Rebsorten" mit freundlicher Genehmigung von Tilbert Nägler

Weinbau im Rheingau und in Rüdesheim

Weinkundige Autoren schwelgen in Superlativen. Der Engländer Hugh Johnson spricht von dem "besten Anbaugebiet am Rhein". Und in Frank Schoonmakers "Weinlexikon" heißt es: "Nach Meinung vieler Experten das bedeutendste Weinbaugebiet der Welt". Die Rede ist vom Rheingau, der mit einer Rebfläche von nur etwa 3 000 Hektar zu den kleinsten Anbaugebieten Deutschlands gehört.

Geographisch betrachtet ist der Rheingau ein 38 Kilometer langer und zwei bis drei Kilometer breiter Streifen am Rhein, der sich von der Mainmündung bei Wicker bis hin zu Lorchhausen erstreckt. Der Weinbau findet hier ideale klimatische Bedingungen vor, die schon vor vielen hundert Jahren von weinbautreibenden Klosterbrüder erkannt wurden. Der in dieser Region fast seenartig breite Rhein sorgt mit seiner Wasserfläche für eine Reflexion der Sonnenstrahlung. Im Hinterland schützen die Wälder des Taunusgebirge vor kalten Nordwinden.

Die durchschnittlichen Klimawerte des Rheingaus gewährleisten ein hervorragendes Wachstum der Reben: 9,9'C mittlere Jahrestemperatur, 1643 Sonnenstunden und nur 536 mm Jahresniederschläge. Hinzu kommt eine bemerkenswerte Vielfalt der Böden mit Schiefer, Quarzit, Sandsteinen, Kiesen und Löß, die zum Nuancenreichtum der Rheingauer Weine beiträgt. Den Rheingauer Winzern kann man attestieren, daß sie einen hohen Ausbildungsstand haben. So hat fast jeder selbständige Weinerzeuger im Rheingau eine abgeschlossene Ausbildung als Winzergehilfe, Winzermeister oder Weinbauingenieur. Es sind Winzer, die notwendige Traditionen wahren (was sich vor allem in der Beibehaltung der klassischen Rebsorten Riesling und Spätburgunder bemerkbar macht), die sich aber auch dem Fortschritt in der Kellerwirtschaft nicht verschließen. Anerkennenswert ist zudem das weit überdurchschnittliche ökologische Bewußtsein der Rheingauer Weinerzeuger.

Insgesamt gibt es etwa 380 selbstvermarktende Weinbaubetriebe. Bei den meisten handelt es sich um Familienunternehmen mit Rebflächen von vier bis acht Hektar. Außerdem gibt es drei örtliche Genossenschaften und etwa zwei Dutzend größere Weingüter (Rebfläche zwischen 10 und etwa 50 Hektar), die sich zum Teil stark im Export engagieren und dadurch den guten Ruf des Rheingauer Rieslings weltweit bekannt machten.

Der Weinbau in Rüdesheim hat eine Geschichte, die sich bis in die Römerzeit zurückverfolgen läßt. So fand man um 1900 in einer Baugrube in der Nähe der Rüdesheimer Brömserburg ein sichelförmiges römisches Rebschnittmesser (das heute im Weinmuseum in der Brömserburg zu bewundern ist). Also wurden schon im 3. Jahrhundert n.Chr. von den Bewohnern Weine geerntet, wie es damals der spätrömische Kaiser Probus empfohlen hatte. Weitere archäologische Beweise fand man in merowingisch-fränkischen Gräbern an der Rüdesheimer Oberstraße, nämlich Weingläser als fromme Grabbeigaben. Und Kaiser Karl der Große, der häufig in seiner Ingelheimer Pfalz residierte und den Rheingau gut kannte, soll wegen des günstigen Klimas empfohlen haben, hier die edleren Orleans-Reben anzupflanzen. Für eine Ausdehnung auf die heutige Größe sorgten aber erst die Erzbischöfe von Mainz zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert. Die Kirchenfürsten förderten die Rodung der Wälder entlang des Rheins, um Weinberge anzulegen. Der Rüdesheimer Weinbau ist urkundlich erst seit dem Jahre 1074 belegt. Am Ausbau der Weinwirtschaft waren die zahlreichen Klöster und Adelsfamilien ebenfalls beispielhaft beteiligt. Sie zeigten ein absolutes Qualitätsstreben und ein vorbildliches Interesse für die Entwicklung neuer und besserer Methoden im Weinbau, Kellerwirtschaft und Vermarktung.

Alle deutschen Weinprädikate haben im Rheingau ihren Ursprung und fanden nur für Weine besonderer Güte Verwendung. So kannte man schon vor über 250 Jahren den Begriff "Cabinet" für kostbare Gewächse guter Jahrgänge, die in "Cabinet"-Kellern aufbewahrt wurden. Die Spätlese, Auslese und ihre höhergradigen Spielarten Beerenauslese und Trockenbeerenauslese wurden ebenfalls im Rheingau entdeckt. Sie werden hier nach wie vor als Spezialitäten betrachtet, die nicht jedes Jahr in rauhen Mengen wachsen können.

Rebsorten

Der Riesling

Das erste Zeugnis für den Anbau von "seczreben riesslingen" kann der Rheingau vorweisen; es datiert aus dem Jahr 1435. Seitdem wurde die Sorte in dem kleinen Gebiet am Rhein besonders gepflegt.

Heute verfügt der Rheingau mit 84 Prozent der Gesamtrebfläche über den höchsten Rieslinganteil aller Weinbaugebiete der Welt. Andere Sorten würden hier sicherlich mehr Ertrag bringen; aber sie haben sich im Rheingau nie richtig durchsetzen können. Schließlich gilt der Riesling durch seine feine Rasse und Eleganz, durch sein charakteristisches Bouquet mit zartem Pfirsichduft und seine markante, lebhafte Säure als die vielleicht beste Weißweinsorte der Welt. Hier, in der nördlichen Weinbauregion etwa auf der Höhe des 50. Breitengrades, findet der Riesling die idealen Boden- und Klimaverhältnisse vor. Hier kann er lange reifen und in dieser Zeit viele Mineralstoffe aus dem Boden aufnehmen, die für Frucht und Gehalt des Weines wichtige Voraussetzungen sind. Die Weinlese beginnt im Rheingau selten vor dem 15. Oktober; oft ist sie noch spät im November im Gange. Wichtig für die Reife des Rieslings ist ein warmer Herbst, der für die notwendige Zuckerbildung in den Trauben sorgt.

Eine Besonderheit kann hierbei der Befall der Trauben durch den Pilz Botrytis Cinerea sein. Geschieht der Befall, wie gewünscht, bei reifen Trauben, verdunstet Wasser und es konzentrieren sich die sonstigen Inhaltsstoffe der Trauben, so daß aus dem Lesegut hochwertige Prädikatsweine gewonnen werden können. Aber auch ohne diese "Edelfäule" weiß Rheingauer Riesling durch seine reine, rassige und furchtige Art zu begeistern. Die Weine haben viel Extraktstoffe. Ihr Alkoholanteil ist meist nicht sehr hoch (zwischen 9 und 11,5% vol.) Besonders die Qualitätsweine und Kabinettweine mit ihrer aparten Art und anregenden Leichtigkeit in der trockenen und halbtrockenen Version werden immer häufiger als Begleiter zum Essen bevorzugt.

Der Spätburgunder

Was der Riesling für die Weißweinsorten, ist der Blaue Spätburgunder für die Rotweinsorten! In Frankreich heißt die Sorte Pinot noir. Im Rheingau ist der Spätburgunder eine echte Spezialität, angebaut auf etwa 160 Hektar, bevorzugt in den steilen Lagen von Assmannshausen. Der Spätburgunder wurde in Deutschland erstmals anno 1318 erwähnt; vermutlich brachten ihn Zisterzienser-Mönche von Eberbach in den Rheingau, wo sein Anbau 1470 urkundlich belegt ist. Am "Stammplatz" Assmannshausen wächst dieser "rothe Weyn" seit mindestens 1507. "Er steht in hohem Werthe, hat selbst vor den Burgunder rothen Weinen den höchsten Grad von Stärke" schrieb ein Weinforscher im Jahr 1829. Zwar zählt der Rheingauer Spätburgunder zweifellos zu den besten Rotweinen Deutschlands, aber er ist leichter, weicher, samtiger als die vollen, körper- und alkoholreichen Weine aus Frankreich. Aus kleinbeerigen, vollreifen, dunkelblauen Trauben entstehen farbhellere Weine mit einem dezenten, zartwürzigen Aroma und eleganter, warmer Art mit einer angenehmen Säure, die zugleich dafür sorgt, dass die Weine lagerfähig bleiben. Mit den Jahren kann der Wein sein zunächst verhaltenes Feuer steigern und die geschmacklichen Nuancen ausprägen. Vereinzelt wird er auch als erfrischender und gehaltvoller Weißherbst ausgebaut. Die Finesse des Rheingauer Spätburgunders hat auch eine Ursache in den relativ niedrigen Erträgen.

Sekt

Kaum ein festlicher Rahmen im privaten oder gesellschaftlichen Leben, in dem man nicht mit einem guten Glas Sekt anstößt. Entscheidend für die Qualität des Sektes ist die Selektion hochwertiger Weine mit vollen Aromen und ausgewogenem Geschmack. Denn nur aus ausgesuchten Rebsorten wählt der Kellermeister die Weine aus, die einen guten Sekt entstehen lassen. Schon seit 150 Jahren wird in unserer Region diese Kunst der „Veredelung“ der ausgesuchten Rheingauer Weine ausgeübt. Genießen Sie ihn zum Aperitif, zum Essen oder einfach zwischendurch – Sekt ist stets ein Begriff für Genuss und Lebensfreude!

Straußwirtschaft

Die wohl typischste Art, im Rheingau den Wein und den Sekt zu genießen, ist, dies in einer Straußwirtschaft zu tun: „Wo`s Sträuß`che hängt, wird ausgeschenkt“. Nicht  immer kann man dem Symbol „Sträußche“ (ein Kranz vor der Eingangstür des Weinguts) folgen, denn durch die max. viermonatige Ausschankzeit sind die Öffungszeiten begrenzt. Zu welcher Zeit die Winzer zum „Woi“,„Handkäs mit Musik“ und Spundekäs“ einladen, können Sie unter "Geöffnete Weinlokale" nachlesen. Im Unterschied zu den Straußwirtschaften dürfen die Gutsausschänken, die Sie bei verschiedenen Winzern finden, ganzjährig Gäste bewirten.

 
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